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Volkstänzer in gagausischer Tracht auf einer Freiluftbühne bei einem Hederlez-Fest

Gagausische Kultur, Küche & Wein

Eine Turksprache, ein orthodoxer Glaube, ein Hirtenkalender und eine der großzügigsten Tafeln Europas.

Die Gagausen sind eines der ungewöhnlichsten Völker Europas: Sie sprechen eine Turksprache, der ein Besucher aus Istanbul weitgehend folgen kann, und sie sind orthodoxe Christen, deren Dörfer sich um Kuppelkirchen scharen. Diese Verbindung — und zwei Jahrhunderte Leben als Bauern und Hirten in der Budschak-Steppe — hat eine Kultur hervorgebracht, die weder ganz balkanisch noch türkisch noch slawisch ist, sondern unverkennbar ihre eigene.

Die Menschen

Die meisten Gagausen der Welt leben in Südmoldau, wo sie in Gagausien die große Mehrheit stellen; andere leben jenseits der Grenze in der ukrainischen Region Odessa, in Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Kasachstan und anderswo. Woher sie kamen, ist eines der ungelösten Rätsel der europäischen Geschichte. Manche Forscher sehen in ihnen Nachfahren mittelalterlicher Turkvölker der Steppe, die das Christentum annahmen; andere Balkanchristen, die eine Turksprache annahmen. Die Gagausen selbst sehen die Frage eher gelassen und sind auf beide Hälften der Antwort stolz.

Die Sprache

Gagausisch gehört zum oghusischen Zweig der Turksprachen, neben Türkisch, Aserbaidschanisch und Turkmenisch. Es hat Wörter aus dem Bulgarischen, Rumänischen, Griechischen und Russischen aufgenommen und wird in einem lateinischen Alphabet geschrieben. Im Alltag sind die meisten Gagausen zwei- oder dreisprachig und wechseln mühelos zwischen Gagausisch, Russisch und zunehmend Rumänisch. Die UNESCO führt Gagausisch unter den bedrohten Sprachen der Welt — deshalb bedeuten die Dorfmuseen und die Sprachprogramme der Universität den Menschen hier so viel.

Ein paar Wörter zum Ausprobieren: selâm (hallo), saa ol (danke), hoş geldiniz (willkommen), sofra (der Tisch und im weiteren Sinne ein mit Gästen geteiltes Mahl).

Glaube und Jahreslauf

Das Dorfleben folgt dem orthodoxen Kalender — Weihnachten, Ostern, das Patronatsfest jeder Kirche —, über einem weit älteren, zweigeteilten Hirtenjahr. Hederlez am 6. Mai eröffnet die Sommerhälfte: Traditionell zogen die Herden auf die Weide, Hirten wurden angeheuert und ein Lamm wurde geopfert. Kasım am 8. November schließt sie, wenn die Herden heimkehrten und abgerechnet wurde. Heute ist Hederlez die große öffentliche Feier gagausischer Identität, mit Pferderennen, Ringkämpfen, Musik, Tanz und riesigen gemeinsamen Mahlzeiten.

Kurban ist der Brauch, ein Tier, meist ein Lamm, zum Dank oder zur Erfüllung eines Gelübdes darzubringen — an einem Heiligentag, zu Hederlez oder zu einem Familienereignis. Das Fleisch wird mit Bulgur in großen Kesseln gekocht und mit Nachbarn und allen geteilt, die vorbeikommen. Wenn du zu einem Kurban eingeladen wirst, geh hin: Es ist Gastfreundschaft in ihrer reinsten Form.

Handwerk: Teppiche und Tracht

Gagausische Haushalte webten einst ihre eigenen flachgewebten Wollteppiche, typischerweise mit kräftigen Rosen und geometrischen Bordüren auf dunklem Grund, und gaben sie als Mitgift mit. Schöne alte Stücke siehst du in den Museen von Beșalma, Avdarma und Comrat, und im Sommer findet in der Region ein Teppichfest statt. Die traditionelle Kleidung — bestickte Hemden, dunkle Westen, Schaffellmützen für Männer, Schürzen und Kopftücher für Frauen — kommt heute zu Festen und bei Folkloreensembles zum Vorschein.

Was man isst

Die gagausische Küche ist das Essen von Hirten und Gärtnern: Lamm, Schafskäse, Weizen, Paprika, Tomaten und Auberginen, dazu viel Teig. Nach diesen Gerichten solltest du Ausschau halten.

GerichtWas es istWo du es probierst
GözlemeDünnes, auf der Platte oder im Ofen gebackenes Fladenbrot, um Schafskäse (Brynza) gefaltet, manchmal mit Kräutern oder KürbisGagauz Sofrası in Congaz; Dorfhaushalte; Märkte
KıırmaEine aufgerollte Schichtpastete aus dünnem Teig mit Brynza und RahmHausküche und Festtafeln
Kaurma (Kavurma)Lamm oder Hammel, langsam im eigenen Fett mit Zwiebeln und Paprika gegartTraditionelle Restaurants; Hederlez-Festessen
BulgurPilaw aus geschrotetem Weizen, der klassische Begleiter zum Kurban-LammFeste und Ethno-Restaurants
ŞorpaEine herzhafte, pfeffrige HammelsuppeTraditionelle Restaurants
SarmaWein- oder Kohlblätter, gefüllt mit Reis und FleischÜberall
MancaEin dicker Eintopf aus Huhn oder Gemüse mit Tomaten und PaprikaRestaurants mit Hausmannskost
BrynzaSalziger weißer SchafskäseMarkt von Comrat

Die Schreibweisen unterscheiden sich zwischen gagausischen, russischen und rumänischen Speisekarten — wundere dich also nicht, wenn dasselbe Gericht auf drei Arten geschrieben steht.

Wein

Fast jeder gagausische Haushalt hat Reben über dem Hof und ein Fass im Keller, und Gäste werden mit einem Krug roten Hausweins begrüßt. Die gewerblichen Weingüter reichen von großen Erzeugern wie Comrat Wines und Tomai-Vinex bis zu kleinen Familienbetrieben wie Kara Gani in Vulcănești. Der warme, trockene Süden begünstigt Rotweine — Cabernet Sauvignon, Merlot, Fetească Neagră, Rară Neagră — neben aromatischen Weißweinen. Unser Guide zur Weinroute erklärt, wo und wie du verkostest, und Anfang November kommt das regionale Weinfest nach Comrat.

Wo du gagausische Kultur erlebst

Ein guter Gast sein

Gastfreundschaft ist hier Ehrensache. Nimm zumindest eine Kostprobe von dem, was angeboten wird, stoß auf deine Gastgeber an und versuch nicht, Glas für Glas mitzuhalten. Frag, bevor du Menschen fotografierst. Politik, Sprache und Geschichte können in jedem Grenzland heikle Themen sein — hör interessiert zu und überlass deinen Gastgebern die Führung. Ein geführter Besuch mit einem lokalen Guide öffnet Türen, die allein schwer zu finden sind.

Goldbraune Gözleme-Fladen, gefaltet und geschnitten auf einem HolzbrettNiedrige Tische und gestreifte Webteppiche auf einer Veranda im Gagauz SofrasıTraditionelle Ackergeräte, ausgestellt im Kara-Çoban-Museum in Beșalma
Plane deinen Tag im Süden

Comrat, ein Dorfmuseum und eine gagausische Tafel — an einem Tag

Gagausien liegt keine zwei Stunden von Chișinău entfernt, doch Museen und Weingüter sind über die Steppe verstreut und Dorfbusse fahren selten. Ein geführter Tagesausflug verbindet die Punkte und liefert die Geschichten dazu.

Gut zu wissen

Kultur & Küche: FAQ

Häufige Fragen

Sind die Gagausen Türken?

Nein. Sie sprechen eine mit dem Türkischen verwandte Turksprache, sind aber ein eigenständiges Volk mit eigener Geschichte und ganz überwiegend orthodoxe Christen.

Können Türkischsprachige Gagausisch verstehen?

Zu einem großen Teil ja. Die beiden Sprachen sind eng verwandt, Gagausisch hat aber viele slawische und rumänische Lehnwörter und eine eigene Aussprache.

Was ist Hederlez?

Das gagausische Frühlingsfest am 6. Mai, verbunden mit dem Georgstag. Es markiert den Beginn des Hirtensommers und wird mit Pferderennen, Musik und gemeinschaftlichen Festessen gefeiert.

Was sollte ich zuerst essen?

Gözleme mit Schafskäse, danach Kaurma mit Bulgur und ein Glas lokalen Rotwein.

Ist das Essen für Vegetarier geeignet?

Fleisch steht im Mittelpunkt, doch Käsegebäck, Salate, gefüllte Paprika ohne Fleisch, Eingelegtes und Brot gibt es reichlich. Sag deinem Gastgeber oder Guide vorab Bescheid.

Kann ich einen gagausischen Teppich kaufen?

Alte Teppiche sind Familienerbstücke und werden selten verkauft. Frag in den Museen oder über einen Guide nach heutigen Weberinnen und nach Festständen.